_ TOP Magazin Wuppertal - Sommer 2016

BÜROS ALS VISITENKARTE:
HIER ARBEITEN WUPPERTALS KREATIVE KÖPFE

"Wir sind die Kümmerer"

Das Architekturbüro Monse und Molnar ist seit 31 Jahren im Briller Viertel zu Hause

Was haben das „House of Life“ in Solingen, der Waldorf-Kindergarten am Kothener Bach, der Neubau eines Technikums mitten in Barmen und ein komplett neues Werk in Mexiko, beides für Vorwerk Autotec, gemeinsam? Klar doch, die Architekten.

Der eine, Frank Monse, ist Wuppertaler, der andere, Ernst Molnar, Remscheider. Studiert und kennengelernt habe sich beide an der Bergischen Universität und recht schnell ein gemeinsames Büro gebildet, das seit dem Jahr 1985 im Briller Viertel liegt – seit 2000 konkret an der Moltkestraße. Eine gute Lage für die beiden Diplomingenieure, die dem Bund Deutscher Architekten angehören, dessen Mitgliedschaft übrigens man nicht einfach beantragen kann: Man wird in die renommierte Berufsvertretung „berufen“, deren Wuppertaler Vorsitzender Monse fünf Jahre gewesen ist. Beide sind Mitte der 1950er Jahre geboren, beide sind verheiratet und haben jeweils zwei Kinder – und sind sportlich. Unter Kollegen bekannt sind ihre regelmäßig veranstalteten Wanderungen, die etwa ins Tessin, in die Toskana oder den Vorarlberg führen, wo dann Bauwerke studiert werden, die zum Maßstab geworden sind für progressives Bauen.

_Waldorf-Kita im Kothener Busch

Man lernt voneinander. Frank Monse sagt über das Büro: „Wir sind die Kümmerer und begleiten einen Neu- oder Umbau vom ersten Gespräch über das Vorhaben bis hin zur Fertigstellung.“ Beispiel Waldorfkindergarten in der Schluchtstraße: Das Baugrundstück liegt am renaturierten Kothener Bach, das stark abfallende Grundstück und die Verschattung durch eine viergeschossige Schule waren die Rahmenbedingungen zur Findung der Gebäudeform und Platzierung auf dem Grundstück. Die versetzten Ebenen machen zum einen den Zugang jeder Gruppe von außen möglich, zum anderen verbindet die innere zentrale Treppe mit Blickkontakt die einzelnen Gruppen.

_Expo-Preis fürs „Haus des Lebens“

Beispiel „House of Life“ in Solingen: Besondere Aufgaben erfordern spezielle Lösungen. Das „Haus des Lebens“ ist ein Pilotprojekt für pflegebedürftige Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren und ein richtungsweisendes Bauvorhaben von Solinger Kirchengemeinden. Der Neubau für 20 Bewohner, die in drei Wohngruppen mit vier beziehungsweise acht Bewohnern zusammenleben, ist ein Projekt im Rahmen des Landespflegegesetzes NRW. Mit einem hohen Anspruch an die Qualität der Gestaltung und der Details wurde die Aufgabe unter Einhaltung eines engen Kostenbudgets gelöst. Dieses in Kooperation mit dem Solinger Innenarchitekturbüro Großkemm und Richard konzipierte und realisierte Projekt erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter zuletzt den renommierten „Altenheim Expo-Award“ 2013.

_Tradition neben Neubauten

Beispiel neues Technikum für Vorwerk: Der Traditionsstandort der Firma Vorwerk Autotec auf Lichtscheid musste grundlegend umstrukturiert und modernisiert werden. Zur Neugliederung des Gewerbestandortes wurden die ehemaligen Produktions- und Lagergebäude abgebrochen, um die erforderlichen Freiflächen zu schaffen. Die beiden mehrgeschossigen Bürobauten wurden erhalten und modernisiert. Die planerische Aufgabe bestand darin, das Erscheinungsbild des Gewerbestandortes aufzuwerten und durch die Neugestaltung der Eingangssituation zeitgemäß und großzügig zu ordnen. Gleichzeitig sollte das neue Kompetenzzentrum durch einen Neubau für den Entwicklungsbereich der Firma Vorwerk ergänzt und erweitert werden. Somit präsentieren sich heute modernisierte Gebäude des Traditionsunternehmens neben den Neubauten als Einheit und verdeutlichen den Willen der Firma, in die Gestaltung der Zukunft zu investieren.

_„Das hat uns alles abverlangt“

Beispiel kompletter Neubau eines Werks in Mexiko. Vorwerk Autotec beraten haben Monse und Molnar beim Bau einer neuen Fabrik (Entwicklung des Gebäudekonzepts, Auswahl des Bauübernehmers, schließlich Überwachung der Ergebnisse). „Das hat uns“, sagt Ernst Molnar, „alles abverlangt, weil das Klima so ganz anders ist als bei uns und die Mentalität eine ganze andere als wir sie kennen. Vorwerk kannte uns eben von Projekten im Bergischen Land und setzte das Vertrauen in uns, dass wir auch ein Großvorhaben weit weg von Deutschland stemmen.“ Für das Unternehmen wir für das Architektenduo hat sich der Ausflug nach Amerika bezahlt gemacht. Und: Nach einem Wettbewerbserfolg realisieren Monse und Molnar zur Zeit ein Ausstellungs- und Schulungsgebäude, den „Tente Campus“, in Wermelskirchen.

Text: Matthias Dohmen | Fotos: Bettina Osswald

 

PDF-Download: "Wir sind die Kümmerer"

Quelle: top magazin WUPPERTAL